In einer Woche sind bereits zwei Drittel von meinem Praktikum vorbei, dass heisst Halbzeit für meinen Aufenthalt in Taiwan.
Mittlerweile habe ich mich ganz gut eingelebt und es hat sich bereits ein bisschen der Alltag eingependelt.
Nach meiner ersten gemütlichen Eingewöhnungswoche begann mein Praktikum. Wie bereits erwähnt, bin ich zwei Fachpersonen von der BMI zugeteilt, Regina und Georg. Sie arbeiten in zwei verschiedenen Migrant Büros. Ein Büro ist in Zhongli (Reginas Büro), dort arbeite ich dienstags und mittwochs und das andere ist in Hsinchu (Georgs Büro), wo ich sonntags und montags arbeite.
Die Angestellten der beiden Büro kümmern sich um die Rechte Migrants, das sind Leute aus andern, ärmeren südostasiatischen Ländern (Kambodscha, Vietnam, Indonesien, Philippinen) und kommen hierher zum Arbeiten. Es handelt sich dabei oft um Opfer von Menschenhandel und solche die unter unmenschlichen Umständen hier arbeiten müssen.
Momentan erledige ich für Regina und Georg kleinere administrative Aufgaben, nichts
Anspruchsvolles. Es erinnert mich manchmal ein bisschen an meine Lehrzeit.
Mit den Migrants habe ich während der Arbeit wenig Kontakt, was ich sehr schade finde. Dazu fehlen mir die Sprachkenntnisse. So bearbeitet der vietnamesische Sozialarbeiter die vietnamesischen Fälle.
Der Sonntag startet mit der philippinischen Messe (auf Englisch) und dem anschliessenden Mittagessen. Das Essen dort ist so lala. Es gibt oft gekochtes Schweinefett und faden Reis, gottseidank haben wir eine grosse Auswahl an Früchten zum Dessert.
Am Nachmittag findet der wöchentliche Chinesischkurs statt. Ein paar Wörter Chinesisch habe ich bereits gelernt. Aber um die Sprache wirklich zu lernen, müsste man jeden Tag in den Chinesischunterricht.
Momentan wohne ich im Frauenshelter in Zhongli, dort habe ich ein kleines Zimmer mit Bad für mich allein. Das Zimmer ist nicht gerade das was man unter ‚gemütlich‘ versteht, naja ich wohne ja auch im Shelter und nicht in einem Hotel. ‚Shelter‘ heisst auf Deutsch übersetzt ‚Obdach‘. Aber für die paar Stunden, die ich in Zhongli im Zimmer lesend auf meinem ungemütlichen Holzstuhl verbringe, ist es in Ordnung.
Die Wochenenden bin ich meistens bei Regina in Taipei. So komme ich zumindest ein paar Tage aus Zhongli raus. Ihr müsst wissen, wenn mich die Leute hier fragen, wo ich wohne und ich mit „Zhongli, the most beautiful city in Taiwan“ antworte, fangen immer alle an zu lachen. Ich könnt jetzt natürlich meinen ironischen Unterton nicht hören.
Noch einen Tag arbeiten und dann haben wir eine Woche Ferien. Zuerst fahre ich mit Regina in den Sueden nach Kenting an ein Festival, anschliessend ist das BMI-Treffen mit den Priestern und dann fliege ich fuer ein paar Tage mit Monika (eine Deutschlehrerin) auf die Orchideeninsel.
So, ich melde mich bald wieder und wuensche allen frohe Ostern.
Renata