Auf der Insel leben die Yami, ein Ureinwohnerstamm, welche bis Mitte des letzten Jahrhunderts noch keine Eingriffe in ihre ursprüngliche Lebensweise erfahren mussten. Ihre Traditionen gelten als die Besterhaltensten der Ureinwohner in Taiwan. Sie führen auf Lanyu ein beschauliches Leben, ernähren sich hauptsächlich vom Fischfang und verdienen sich ein wenig Geld mit dem Tourismus. Es gibt sechs auf der Insel verteilte kleine Dörfer, in denen jeweils eine andere Sippe wohnt.
In den Dörfern laufen die Hühner und Hähne sowie Schweine und anderes Vieh frei herum. Auf ganz Lanyu gibt es wilde Ziegen, die überall herum spazieren. Der Geschmack hat mich ein paar mal an ‚d Alpa’ im Sommer erinnert.
Ursprünglich haben die Yami ihre Häuser in grossen Mulden gebaut (siehe Foto), so dass nur mehr das Dach aus dem Boden ragte. Dies dient zum Schutz gegen Taifune, welche regelmässig im Sommer-Herbst über die Insel hinwegfegen. Die Kuomintag*** hat den Yami den Bau dieser Erdhäuser verboten. Da es in Folge von Taifunen zu grossen Schäden kam, wurde das Verbot 1980 wieder aufgehoben.
Am frühen Morgen kann man die Fischer beobachten, die mit ihren kleinen Booten vom Fischen zurückkehren und ihren Fang an Land bringen. Der Fisch wird anschliessend zugeschnitten und zum Trocknen aufgehängt. Nach getaner Arbeit hocken Sie sich zusammen zum gemütlichen Bier- und Schnapstrinken und Bettelnuss kauen.
Bettelnusskauen ist besonders bei den älteren Leuten (in ganz Taiwan, nach Berichten in ganz Asien, aber da war ich ja noch nicht) sehr beliebt. Es hat eine anregende Wirkung und soll gegen Ermüdung helfen. Dabei verfärbt sich der ganze Mund orange-rot und die Zähne verfaulen mit der Zeit. Und zu allem Übel spucken sie das Zeug auf die Strasse. Eklig!
Lanyu ist auch bekannt für seine Korallenriffe. Monika wollte unbedingt schnorcheln. Ich war mir da nicht ganz sicher. Im Meer schwimmen macht mir zwar nichts aus, aber für gewöhnlich gehe ich nur so weit raus, so dass ich noch Boden unter meinen Füssen spüre. Gut dass ich mich trotzdem überwunden habe, denn es war wunderschön. Es war etwas gewöhnungsbedürftig, den Kopf unter Wasser zu halten und trotzdem noch zu atmen. Ich hätte Stunden im Wasser herumtreiben und mir die bunten Fische und Korallen anschauen können.
*** Nach dem Sieg der Kommunistischen Partei von Mao Zeodng in China floh der unterlegene Chiang Kai-Shek mit seinen Anhängern der Kuomintang nach Taiwan. Dort gründeten Sie die vorübergehende Exilregierung von China, die „Republik China“ und errichteten ein autoritaeres Regime.
So das war Teil 2 von meinen Osterferien.
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| Lanyu, Orchid Island |



